|
|
Joachim Stengert schrieb:
Der einfache Neontetra war mal mein erster Salmler den ich gezüchtet habe.
Hast Du da mal irgendwo eine Beschreibung darüber, wie Du das gemacht hast?
Hallo Klaus, nicht direkt. Es gibt einen Zuchtbericht über den Peru-Rotkopfsalmler
in der DATZ 05/90 von mir und einen Zuchtbericht über die Erstnachzucht des
Rachows Grundsalmler im AQUARIUM 01/93. Alles andere würde ich wenn benötigt
aus meinen Vorträgen rauskopieren. Wer Interesse hat kann auch von mir die
beiden Berichte als Datei bekommen. Ausserdem habe ich alle wichtigen Daten meiner
Zuchten in einer Tabelle notiert. Die gebe ich auch gerne her. Mach keine Geheimniss
daraus. Gebe auch gerne detaillierte Antworten auf Mails über bestimmte Salmler.
Habe die Schmucksalmler schon mal gezüchtet. Jetzt zur Zeit habe ich mich mehr
auf die Zucht von exotischen Salmlern konzentriert.
Als exotisch betrachte ich Grund- und Bodensalmler, Algensalmler, Salmler aus der
Familie Copella, Nannostomus espei, Nematobrycon lacortei, Aphyocharax rathbuni
und paraguayensis, Coelurichthys microlepis und tenuis.....um nur einige zu nennen.
Soviel ich erfahren habe, laicht der H.bentosi bei 6°dGH , pH 6,5-7,0 und 26
°C. Empfohlen werden nicht zu kleine Zuchtbecken. Ich richte zur Zeit eins ein
, ein Zuchtbecken im "Daueransatz" nach Peter Hoffmann, beschrieben in
seinem Salmlerbuch, das ich natürlich habe :-)).
Ich habe den Schmucksalmler in 8 Liter-Becken nachgezogen. Wenn du laufend umsetzst,
die Hygiene 100% einhältst, reicht das aus. GH 5°-10°, KH 2°-7°,
pH 6,5 - 7,5. Das waren die Werte die ich bei meinen Zuchtansätzen hatte. Laichzyklus
ca. 12 - 14 Tage, Erfolgsquote ca. 30 - 80 Jungfische möglich.
Ich würde sagen, Salmlerzucht ist arbeitsintensiver und man muss mehr kreativ
sein und verschiedene Möglichkeiten ausprobieren. Die Zucht gelingt eben nur
dann, wenn auch die Verhältnisse den Fischen passen. Das sind oft Kleinigkeiten
an die man nicht denkt.
Da habe ich mir einen Schwarm P. innesi geholt und bei 22°C in ziemlich weichem
Wasser und praktisch NUR Javamoosgewirr als Deckung zugelegt und naiv gehofft, dass
durch diese Konstellation doch eigentlich im Daueransatz ein paar Junge durchkommen
müßten (Becken mit vielen ganz dunklen Stellen, immer schön mit
Lebendfutter gefüttert etc.) - Pustekuchen!
Hallo Klaus, hätte ja auch vielleicht irgendwann mal gelingen können.
Die Salmler haben halt nur einen großen Nachteil. Ist ein Schwarm vorhanden
und ein Paar laicht ab, animiert das eventuell auch die anderen Paare, sofern vorhanden.
Nur eben in den Laichpausen der einzelnen Paare vespern die pausierenden Paare den
Kaviar der laichenden Paare. Sex macht hungrig ;-) Die wenigen Laichkörner
die davonkommen, haben später als Jungfisch noch schwer zu kämpfen um
groß zu werden. Ist also eine Zucht mit sehr wenig Erfolg. Ich habe damals
P.innesi in einem 8 Liter-Becken bei GH 3°, KH 1°, pH 5,7 und 23°C nachgezogen.
War meine allererste Salmlernachzucht. Hat auch nur 36 Jungfische gebracht. Salmlerzucht
an sich funktioniert nur in einem separaten Zuchtbecken mit Laichrost. Ich werde
in den nächsten Tagen mal ein Extra-Posting in die NG schicken und dort mal
in groben Zügen die Vorraussetzungen für eine Salmlerzucht darstellen.
Fische zusammenpassen:
Das sind oft Kleinigkeiten an die man nicht denkt.
Ich würde mich auch gerne mal an Salmlern versuchen, scheitere aber bereits
am erkennen von Zuchtbereiten Tieren. Setzt Du einfach mal auf gut Glück ein
paar zusammen und wartest was passiert?
Ich kaufe meist zwischen 5 und 7 Tieren. Die beobachte ich und füttere
sie mit viel Schwarzen Mückelarven an. Geht auch Frostfutter. Sind laichbereite
Paare vorhanden beginnen sie mit den Balzritualen auch schon in diesem Becken. Dieses
Paar fange ich dann heraus und beginne mit der Zucht. Dann heißt es abwarten.
Das weitere Vorgehen hängt auch viel davon ab, welche Salmler du züchten
willst. Es gibt nämlich Freilaicher, Haftlaicher, Brutpfleger und solche die
weder pflegen noch der Nachzucht nachstellen.
Lehn dich zurück, es wird etwas länger. :-)
Das was ich jetzt alles schreibe, gilt für so gut wie alle freilaichenden Salmlern.
Zuerst wird ein Becken (8 - 15 Liter, je nach Fischgröße) mit frischem
Zuchtwasser (bei den meisten reicht: GH 4°, KH 1°, pH 6,5, 23 - 25°C)
eingerichtet. Es wird ein Laichgitter (aus Plexiglas selber bohren) schräg
eingestellt und zwar so, dass die höhere Seite zum Betrachter zeigt. Die Löcher
sollten ca. 2,5mm Durchmesser haben. Auf der Oberseite werden die Bohrungen versenkt,
das heißt mit einem größeren Bohrer die Löcher vergrößert
damit so wenig wie möglich Auflagefläche für Eier vorhanden sind.
Durch die Schräge werden die nicht oder nur schwach haftenden Eier in die Löcher
rollen und nach unten durchfallen. Das Laichgitter sollte an der niedrigsten Stelle
mindestens 1 cm vom Boden weg sein. Auch an den Rändern darf kaum Zwischenraum
sein, damit sich kein Fisch einklemmen kann. Wenn die Fische mal merken dass die
Eier unter ihnen liegen, probieren sie mit aller Gewalt da ran zu kommen. Natürlich
noch einen Heizer und einen Sprudelstein eingeben. Das Zuchtpaar wird in einem separaten
Becken aufbewahrt. Dort sollte das Wasser annähernde Werte an die Werte vom
Zuchtwasser haben. Maxiaml 10° GH, nicht höher. Damit wird der Umsetzschock
nicht so hoch für die Fische. Das Zuchtpaar wird aus einer Gruppe ausgewählt
die auch separat gehalten werden muss. Denn aus einem bepflanzten Aquarium kann
man kein Zuchtpaar herausfangen, das kurz vorher gebalzt hat, ohne den gesamten
Fischbestand unter Stress zu setzen. Besonders beim Neontetra, Neonsalmler und Rotkopfsalmler
kann eine längere Jagd tödlich enden. Kreislaufversagen, Herzinfarkt und
in den Kies kopfüber reinbohren und sich dabei schwerst verletzen, können
die Folgen bei so einer Jagd sein. Die Geschlechtsunterschiede sind ja in allen
Fachbüchern meist beschrieben. Sollte einer trotzdem mal nicht ganz sicher
sein, so kann er mich ja anmailen. Ich habe schon noch den einen oder anderen Trick
zum Erkennen der Geschlechter. Eines kann man sich ganz sicher merken. Bleibt ein
Salmler im Netz hängen, ist es 100%ig ein Männchen. Die haben sehr oft
Häckchen an der Afterflosse mit denen sie im Netz hängenbleiben. Deswegen
benutze ich zum Fangen auch immer ein ganz feinmaschiges Netz. Das Zuchtpaar wird
auch kurz vor dem Umsetzen nicht mehr gefüttert. Wir wollen ja nicht, dass
das gute Zuchtwasser gleich als erstes mit Kot verschmutzt wird. Ist das Zuchtpaar
nun in dem Becken, wird auf die Deckscheibe mit einem Tuch oder dunklem Papier abgedeckt.
Sonst sind die Fische zu sehr verschreckt. Ausserdem ist bei vielen freilaichenden
Salmlern der Laich lichtempfindlich. In diesem Becken bleibt das Zuchtpaar solange
bis es abgelaicht hat, aber maximal nur 6 Tage lang. Es wird nicht gefüttert
in dem Becken und somit ist auch für diesen kurzen Zeitraum keine Filterung
notwendig. Jeden Morgen und jeden Abend leuchten wir mit einer Taschenlampe unter
das Laichgitter. Meist laichen die Salmler in den Morgenstunden ab. Ist nun Laich
vorhanden, wird die Abdunklung entfernt. Bitte aber nicht jetzt 40-Watt Birne draufhalten,
damit wir auch alles sehen, das wäre für die Fische der totale Kollaps.
Zwei Fische wird man auch im Halbdunkel fangen können, außerdem kann
man die Fische dabei besser überraschen und sie haben keinen so großen
Fangschock. Nach kurzem Eingewöhnen in das andere Heim das Zuchtpaar etwas
füttern. Wer genügend Becken hat, kann auch das Zuchtpaar getrennt nach
Geschlechtern aufbewahren. Somit besteht nicht die Gefahr, dass das nächste
Ablaichen in einem ungeschützten Becken passiert. Dazu sollte man aber auch
den Laichzyklus kennen und dem Paar die Möglichkeit bieten zum passenden Termin
abzulaichen. Den Laich zyklus kann man bei mir erfahren oder aus folgendem Buch
herauslesen: Handbuch der Aquariumfischzucht von Helmut Pinter, erschienen im Alfred
Kernen Verlag Stuttgart. Ein sehr gutes Buch, kann ich jedem zukünftigen Salmlerzüchter
empfehlen. In dem Zuchtbecken entfernen wir nun vorsichtig das Laichgitter und führen
einen 15-20%igen Wasserwechsel durch. Füllen gleichwertiges temperiertes Wasser
vorsichtig wieder nach. Eine kurze Verwirbelung und damit Bewegung der Eier ist
nicht tragisch. Nur zu kalt sollte das Wasser nicht sein und das Eingiessen darf
nicht in Form eines Sturzbaches geschehen. Dann wird noch ein Mittel gegen Verpilung
eingegeben. Fungistop
hat sich bei mir ganz gut bewährt. Dann wieder abdunkeln. Öfters mal kontrollieren,
ob Eier abgestorben sind und sich trotz Gegenmittel Pilz bildet. Verpilzte Eier
müssen sofort abgesaugt werden. Die Sporenbildung des Pilzes ist enorm groß
und schnell. Nach 24 - 36 Stunden sind die Larven da.Auch die lassen wir in Ruhe
und leuchten sie nur kurz mal zur Kontrolle an. Jedes Anleuchten bringt sie in Aufruhr
und Bewegung verursacht Energieverbrauch. Und das bedeutet schnellers Aufzehren
des Dottersacks und eventuelles Verhungern der Jungfische. Nach 1 - 2 Tagen hängen
die Jungfische an den Seitenscheiben. Ab dem 4.Tag geben wir cirka 10 Tropfen Liqui Fry (für Eierlegende)
in das Wasser, damit sich in den nächsten Stunden genügend Wimpertierchen
bilden können. Zwischen dem 4. und 5.Tag hängen die Larven an der Wasseroberfläche.
In diesem Stadium nicht stören, besonders keine starken Wasserbewegungen. Jetzt
befüllen die Larven ihre Schwimmblase und jegliches Stören bringt dann
Bauchrutscher und Senkrechtstarter. Beginnen nun die Jungfische freizuschwimmen
ist es wichtig, dass Futter vorhanden ist. Man erkennt das an milchigen kleinen
Polstern auf den Seitenscheiben (Glockentierchen) und an sich bewegenden kleinen
Objekten unter der Wasseroberfläche (Wimpertierchen). Stellt man eine Taschenlampe
auf die Deckscheibe, sammeln sich mit der Zeit die Wimpertierchen in dem Leuchtkegel.
Ist nichts vorhanden, sofort nochmal Flüssigfutter dazugeben. Wer es mag und
kann, kann auch aus altem Heu oder Bananenschalen einen Aufguss machen. Eine Ansetzanleitung
wird es im Internet bestimmt irgendwo geben. Wenn nicht, hab sie auch irgendwo notiert.
Hat aber die Gefahr, dass man auch gefährliche Keime und Einzeller ins Wasser
bringt. Nun wird das Zuchtbecken rund um die Uhr mit einer schwach Beleuchtet (4-10
Watt) und der Sprudelstein sollte feine Luftperlen bringen. Keine zu starke Strömung,
da die Jungfisch noch nicht gegen den Luftstrom anschwimmen können. Jeden Tag
wird ein kleiner Wasserwechsel durchgeführt. Dabei wird am Boden sich bildender
Schlamm (sieht aus wie Pilz oder Filz) und eventuelle Jungfischleichen abgesaugt.
Je nach Fischart, kann man ab dem 10. bis 14.Tag auf Artemiafütterung umsteigen.
Erstmal ein paar Artemianauplien eingeben und beobachten ob die gefressen werden.
Erst dann großzügig füttern. Achtung: Bei Artemiafütterung
mindestens 2-3 mal am Tag füttern und vor jeder Fütterung die abgestorbenen
Artemianauplien absaugen und dabei einen Wasserwechsel durchführen. Bei dem
weichen Wassere sterben die Artemianauplien ziemlich schnell ab und außerdem
steigt trotz vorheriger Spülung der Salzgehalt im Wasser an. Die abgestorbenen
Nauplien verpilzen sehr schnell und werden dann zur tödlichen Gefahr für
die Jungfische. Deshalb auch die Beleuchtung durchgehend, weil bei Dunkelheit sich
die Jungfische auf dem Boden absetzen und somit für Keime besser angreifbar
sind und mit eventuellen Pilz in Berührung kommen. Auch die entstehenden Planarien
immer durch Absaugen kurz halten. Ich füttere immer das letzte mal kurz bevor
ich ins Bett gehe, meist so zwischen 23 und 0 Uhr. Ab dem 14.Tag härten wir
auch das Wasser langsam auf, am besten im 2er-Schritt. Zuchtbecken hat 4° GH,
neues Wasser nach Wasserwechsel mit 6° GH einfüllen. Je nach Menge und
Größe der Fische kann man ab der 3.Woche mal ans Umsetzen denken. 100
oder gar mehr Jungfische in einem 8 Liter-Becken bringen mit der Zeit jede Wasserchemie
trotz mehrmaligen Wasserwechsels ins Abstürzen. Ein 20 Liter-Becken wäre
als nächste Staion nicht schlecht. Ein Schaumstofffilter mit Luft betrieben
unterstützt unsere Reinigungsarbeiten, darf uns aber vom Absaugen der abgestorbenen
Nauplien nicht abhalten. Das Aufhärten wird auch weiter gemacht, bis wir so
um die 15°GH oder mehr haben. Wir können ja von unseren Käufern nicht
erwarten, dass sie ein weiches Wasser haben. Und 10-15° GH wird jeder zu Hause
hinbekommen. Hat man das Gefühl, dass auch in diesem Becken die Fische zuviel
sind, setzt man weiter in ein größeres oder verteilt die Jungfischmenge
in mehrere kleinere. Wer Zeit hat und gerne Wasserwechsel macht, kann auch eine
größere Menge eine längere Zeit in einem kleinen Becken halten.
Bringt aber die Gefahr, dass die Fische im Wachstum zurückbleiben oder aufgrund
der Enge zu Kannibalismus neigen (Blutsalmler). Sind die Fische in einer dementsprechenden
Größe kann auch anderes Futter angeboten werden. Das muss jeder selber
sehen, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist. Das läßt sich nicht auf den
Tag genau festelegen, sondern liegt auch am Fütterungsverhalten des Züchters
in den vorangegangenen Tagen. Noch zum Zuchtpaar: Da ja viele Salmler einen ziemlich
flotten Laichzyklus haben (teilweise alle 6 Tage), bedeutet das dass wir natürlich
nebenher schon mal ein weiteres Zuchtbecken oder das erste sauber gereinigt vorhalten
für die nächste Zucht. Wollen wir das nicht, setzen wie die gesamte Gruppe
oder wenn nur vorhanden das Zuchtpaar ins Gesellschaftsbecken. Sie werden dort,
wenn der Zeitpunkt gekommen ist, weiter ab laichen. Niemals das Zuchtpaar über
einen langen Zeitraum (Wochen, Monate) getrennt nach Geschlechtern aufbewahren.
Es kann bei dem Weibchen eine Laichverhärtung eintreten, die dann in Zukunft
nicht lebensfähige Eier hervorbringt und auch zum Tode des Weibchens führen
kann. Massenabsterben von Eiern ist fast immer auf nicht lebensfähige Eier
oder nicht passende Wasserqualität zurückzuführen. Ein nicht richtiges
Besamen durch das Männchen gibt es normalerweise nicht. So, nun hoffe ich mal
das Gröbste gesagt (geschrieben) zu haben. Weitere Einzelheiten dürfen
gerne noch gefragt werden. Habe bestimmt das eine oder andere Detail vergessen.
Fortsetzung
|
|
|